Teil 1 • Die Bauchmuskulatur
Wintertraining - Mach mal etwas Anderes!
Von Dr. A. Falarzik, erschienen im Triathlonmagazin
Eine Menge Wettkämpfe sind vorüber, der Saisonhöhepunkt war vielleicht schon im August oder September. Was mache ich, wenn Radfahrten fast keinen Spaß mehr machen und die Dauerläufe immer mehr in manchmal sehr dunkle Abendstunden hinein gemacht werden müssen? Regeneration heißt jetzt das Zauberwort. - Aber wie? Der geschundene Körper soll sich erholen- gut. Aber wie tut er das, ohne übermäßig zuzunehmen und seine Leistungsfähigkeit zu verlieren?
Gibt es auf diese Fragen eigentlich eine Antwort?
Aus meiner Sicht sollte für Euch nun eine Erholungsphase beginnen, die aus mehren Komponenten bestehen sollte.
- Psychische Erholung, daß heißt lösen vom Leistungsstreß, sollte bei Euch jetzt angesagt sein. Einmal drei Wochen gar nichts tun und Dinge erledigen, für die man sonst keine Zeit hatte. Kino, alte unsportliche Bekannte besuchen, oder vielleicht einfach nur ein Buch lesen, das nichts mit Triathlon zu tun hat. Während dieser Zeit solltet Ihr auch Eure Verletzungen und Zipperlein auskurieren. Eventuell auch einen Sportmediziner aufsuchen, um Achillissehnenbeschwerden oder Rückenschmerzen behandeln zu lassen.
- Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt, um einmal die strikten Ernährungsvorschriften, die während der Wettkampfzeit geherrscht haben, zu vergessen. In Maßen alles essen und trinken. Zwei bis drei Kilogramm Gewichtszunahme machen nichts aus, sind schnell wieder abtrainiert und reduzieren auch nicht die Leistungsfähigkeit im neuen Wettkampfjahr. Auch ist es wichtig, sich schon einmal mit dem neuen Wettkampfjahr zu befassen. Planung von Trainingslagern und Periodisierung des Trainings, Fehler aus dem Vorjahr erkennen und vermeiden.
- Dem Training zum Abschluß dieser Besinnungsphase kommt eine ganz besondere Bedeutung zu. Es sollte jetzt eine aktive Erholung folgen, z.B. Dauerläufe mit verminderter Intensität, um die Grundlagenausdauer zu verbessern! Außerdem können die in der Hauptsportart einseitig trainierten Muskelgruppen durch gezieltes Auftrainieren der Gegenspieler wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Hanteltraining, Anspannungsübungen und Athletik sind jetzt angesagt.
Ausgedehnte Gymnastikeinheiten sind in dieser Phase, wie auch sonst, ebenfalls wichtig. Die im übrigen oft vernachlässigte Rumpfmuskulatur kann jetzt endlich intensiv trainiert werden. Diese ist wichtige Grundlage für schmerzlose Lauf- und Radkilometer in der Wettkampfsaison. Der folgende Artikel soll Euch dabei ein wenig helfen und wird in einer späteren Ausgabe, mit Betrachtung der Rückenmuskulatur und Hüftstrecker, fortgesetzt. Während des zurückliegenden Wettkampfjahres sind an den Bewegungs- und Stützapparat besondere Ansprüche gestellt worden. Manifeste Ungleichgewichte der Muskulatur werden jetzt mit ins Wintertraining genommen. Dies ist vielleicht Ursache für Achillissehnenbeschwerden oder Rückenschmerzen im Frühjahr. Wer von Euch kennt nicht das Gefühl, wie auf Eiern, mit schmerzenden Beinen die ersten Kilometer nach dem Radfahren laufen zu müssen. Grundlage für beginnende akute und später dann chronische Muskelschwächen können solche Momente sein. Auslaufen und ausgiebige Gymnastik (cool-down) sollten einer jeden Belastung folgen und fest zum Wettkampf, wie auch zum Trainingsritual, gehören.
In meiner täglichen sportmedizinischen Praxis, finden sich oftmals rumpfmuskulaturschwache Athletinnen und Athleten. Diese Artikelserie soll Euch als Anleitung dienen, eure Rumpfmuskulatur zu stabilisieren und aus medizinischer Sicht sinnvoll zu trainieren. Eine begleitende ärztliche Kontrolle, wie auch Physiotherapie ersetzt sie jedoch nicht! Im folgenden wird zunächst die Bauchmuskulatur näher betrachtet. Hinweise auf Muskelschwächen mit einfachen Tests ist es Euch möglich festzustellen, ob Hinweise auf muskuläre Schwächen bestehen. Fallen diese auf, sollte eine weitere präzise Diagnostik erfolgen. Die Abbildung 1 zeigt einen Test zur Prüfung der gesamten vorderen Rumpfmuskulatur. Bei aufgesetzten Fersen und leicht angestellten Beinen (50°-Beugung in beiden Kniegelenken), erfolgt in Rückenlage und 90° abgewinkelten Armen im Schulter-, als auch im Ellenbogengelenk, das Anheben des Oberkörpers. Ist diese Übung nicht ohne Einrollen der Hals- und Brustwirbelsäule durchführbar, spricht dies für eine leichte Muskelschwäche. Kann diese Übung auch nicht nach Auflegen der Hände an die Schläfen vollzogen werden, sind höhergradige Schwächen zu festzustellen. In Abbildung 2 ist eine Ganzkörperübung dargestellt. Das Einbrechen der geraden Rückenhaltung oder Schwierigkeiten bei Abheben des Beines, deuten auf falsch oder schlecht trainierte Muskelgruppen hin. Ärztliche, bzw. krankengymnastische Behandlung erscheint dann angezeigt.
Abb. 1: Kontrolle der vorderen Rumpfmuskulatur

Abb. 2: Fähigkeit der Ganzkörperstabilisierung

Abb. 3: Ausgangsposition/Grundspannung

Abb. 4: Übungsposition Als Variante können die Arme auch vor die Brust genommen

Abb. 5: Variante - Armführung vor der Brust

Abb. 6: Beine im Wechsel

Abb. 7: Stabilisierung der Wirbelsäule / Bauchmuskulatur (schräg)

Abb. 7: Hände im Wechsel in Richtung Fersen geführt








